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Chancengleichheit für ältere Frauen |
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1. Initiativen
Wir haben ca. 180 Telefonate mit Vereinen,
Behörden, Privatpersonen usw. in Deutschland geführt, die jeweils angefragt wurden, ob
sie Initiativen für und/oder von älteren Frauen kennen, ob sie als Trägerorganisation
solche Initiativen betreiben oder selbst als solche tätig sind.
Es wurden insgesamt 96 Fragebögen und
Info-Faltblätter per Post an 65 Adressen verschickt.
Wir erhielten bislang 50 Fragebögen zurück,
von denen 47 in den Informationspool aufgenommen wurden.
Bei den Recherchearbeiten wurde in erster
Linie im Schneeballverfahren gearbeitet. Anregungen und Tipps von Engagierten in diesem
Bereich wurden weiterfolgt und dadurch weitere Initiativen für und/oder von älteren
Frauen gefunden. Auf Initiativen wurden wir aufmerksam gemacht zum Beispiel durch
MitarbeiterInnen in der SeniorInnen- und Frauenarbeit oder auch durch politische
InteressenvertreterInnen aus diesen Bereichen.
Dabei machten wir die Erfahrung, dass das
Thema "Chancengleichheit für ältere Frauen" durchweg auf Interesse bei den
GesprächspartnerInnen stieß. Ein Problembewusstsein war bei einem Teil der
angesprochenen Personen vorhanden. Andere wurden durch die Thematisierung im Rahmen der
Anfrage erst auf ältere Frauen als eigenständige Interessengruppe aufmerksam gemacht.
Initiativen zur Verbesserung der Chancengleichheit älterer Frauen waren gleichwohl nur
relativ selten zu verzeichnen. Was uns besonders erstaunte war, dass insbesondere im
Bereich der Frauenarbeit, also in Frauenzentren und ähnlichen Einrichtungen, spezifische
Angebote für sie vergleichsweise selten sind. Dafür gibt es nach unseren Erfahrungen
verschiedene mögliche Gründe, die im folgenden kurz genannt sind.
Exogene Gründe: Geldmangel insbesondere im
Bereich der frauenpolitischen Maßnahmen. Maßnahmen in diesem Bereich sind zum großen
Teil auf eine Verbesserung der Arbeitsmarktchancen angelegt und richten sich damit
vorwiegend an jüngere Frauen.
Endogene Gründe der Zielgruppe: Unbehagen
bei vielen älteren Frauen, eine geschlechtsspezifische Eingrenzung bei Initiativen und
Aktivitäten vorzunehmen. Dieses Unbehagen resultiert vermutlich aus dem Gefühl, dass
ihre Bedürfnisse nicht frauenspezifischen seien, und dass sie entsprechend keinen eigenen
Raum benötigten. So wurde bei Wohnprojekten zum Beispiel vereinzelt darauf hin gewiesen,
dass prinzipiell auch Männer angesprochen würden, auch wenn de facto nur Frauen
beteiligt sind und sie diesen status quo auch für gut bewerten. Ein Bewusstsein
geschlechtsspezifischer Bedürfnisse und Problemlagen wird häufig von Frauen vertreten,
die in der Frauenbewegung aktiv waren oder sind und nun diese Aktivität entsprechend
ihrem Alter für sich und ihre Geschlechtsgenossinnen fortführen wollen. Da in naher
Zukunft die Generation der "Neuen Frauenbewegung" nach und nach zu den
"älteren Frauen" zählen wird, ist eine Zunahme frauenspezifischer Initiativen
in diesem Bereich zu erwarten.
Probleme bei der Mobilisierung der
Zielgruppe: Bildungsangebote zum Beispiel von Volkshochschulen oder Frauenzentren
scheitern nicht selten daran, dass sich nicht genügend interessierte ältere Frauen
finden, welche die Angebote wahrnehmen. Die Erfahrungen der VeranstalterInnen zeigen aber
auch, dass die Frauen, die an solchen Angeboten teilgenommen haben, großes Interesse an
einer Weiterführung oder einer Ausweitung solcher Angebote bekunden.
2. Literaturrecherche zum Thema
"Ältere Frauen"
Es wurden im Rahmen der Recherche 57
Literaturangaben zum Thema "ältere Frauen" gefunden.
Auffallend ist die relativ große Zahl der
Publikationen zum Thema "Sexualität älterer Frauen", die einen
Bewusstseinswandel in diesem Bereich anstoßen will, und zum Teil sicherlich auch schon
angestoßen hat und sich nicht nur an ältere Frauen selbst wendet, sondern ebenso an
Ärzte und Pflegende.
Ein weiteres breites Thema der
wissenschaftlichen Literatur wie auch der Ratgeber sind sich wandelnde Lebensbedingungen
und Lebensstile älterer Frauen in Deutschland und gesellschaftliche Bilder und Klischees.
Auch hier sind unverkennbar die Einflüsse der Frauenbewegung auf eine "neue
Generation älterer Frauen" zu verzeichnen.
3. Politische Programme und Maßnahmen
Eine Recherche von Print-Veröffentlichungen,
im Internet und eine Telefonrecherche zeigten, dass es im Bereich der Bundespolitik in
Deutschland in den letzten fünf Jahren bis auf die Höherbewertung von Erziehungszeiten
zur Rentenberechnung keine nennenswerten politischen Programme oder Maßnahmen und keine
gezielten Förderpolitiken zur Verbesserung der Chancengleichheit älterer Frauen gegeben
hat.
Die finanzielle Förderung einzelner Projekte
wie der internationalen Konferenz "Willkommen im 3. Leben" (siehe unter
Initiativen) oder des laufenden EU-Projektes zur Verbesserung der Chancengleichheit
älterer Frauen sind hier nicht berücksichtigt, da es sich nicht um politische Programme
mit einer systematischen Zielorientierung handelt. Sie sollen aber nicht unterschlagen
werden.
Ältere Frauen und ihre spezifischen
Lebenslagen sind von der Bundespolitik in den letzten Jahren als Zielgruppe für
Fördermaßnahmen bezüglich einer materiellen Besserbewertung von Kindererziehungszeiten
in den Blick genommen worden. Hier wird sukzessive eine Verringerung der finanziellen
Benachteiligung von Rentnerinnen, die Kinder erzogen haben, angestrebt. Andere politische
Entscheidungen der letzten Jahre, die ältere Frauen betreffen, wie etwa die Heraufsetzung
des Renteneintrittsalters oder eine höhere Anrechnung von Eigenverdiensten bei der
Hinterbliebenenrente, werden von uns nicht als Förderpolitik eingeschätzt und
deshalb im Rahmen des Projektes nicht vorgestellt. Diese formal am Gleichstellungsgedanken
orientierte Politik führt faktisch überwiegend zu einer materiellen Schlechterstellung
der Betroffenen.
Es wurde eine Telefonrecherche auch bei allen
Bundesländern durchgeführt, wobei jeweils in den Abteilungen, Ministerien bzw.
Senatsstellen, die für Frauen und SeniorInnen zuständig sind, nach politischen
Programmen und Maßnahmen zugunsten älterer Frauen nachgefragt wurde.
Auffällig, aber nicht überraschend war
zunächst, dass durchweg Zuständigkeitsunsicherheiten bezüglich der Zielgruppe
"ältere Frauen" auftraten. Prinzipiell kann diese Zielgruppe in den
Politikbereichen Frauen und Senioren angesiedelt sein kann, und so wurde, auf unsere
konkrete Anfrage hin, die Zuständigkeit mehrfach zwischen den Abteilungen hin und her
geschoben mit dem Ergebnis, dass sich oft niemand zuständig fühlte. Ältere Frauen als
Zielgruppe politischer Aktivität sind demnach in der Länderpolitik nicht etabliert.
In keinem Bundesland gibt es nach unseren
Informationen zur Zeit oder in den letzten fünf Jahren nennenswerte Programme oder
Maßnahmen für ältere Frauen.
Ansätze zu einer Thematisierung finden sich
in einzelnen Fällen gleichwohl:
So war in Rheinland-Pfalz im Ministerium für
Kultur, Jugend, Familie und Frauen ein Programmschwerpunkt "Ältere
Migrantinnen" geplant, der aber der schwierigen Haushaltslage zum Opfer gefallen ist,
und im Saarland gab es im Rahmen einer Informationskampagne "Frauen im
Blickpunkt" des Ministeriums für Frauen, Arbeit, Gesundheit und Soziales 1997 für
den Monat Oktober den Schwerpunkt "Ältere Frauen".
Förderung finden Projekte und Initiativen
für ältere Frauen eher auf kommunaler Ebene, wo Unterstützung für Wohnprojekte,
Bildungsmaßnahmen und Informationsveranstaltungen gewährt wird. So gab es in
Schleswig-Holstein beispielsweise einen Arbeitskreis "Gewalt gegen ältere
Frauen", der beim Referat für Frauen der Stadt Kiel angesiedelt war und am 8. Mai
1999 einen "Aktions- und Informationstag Gewalt gegen ältere Frauen"
durchgeführt hatte. Zu diesen Initiativen liegen uns leider keine weiteren Informationen
vor. Weitere Projekte sind bei den Initiativbeschreibungen zu finden.
Angela Joost, ISIS
Frankfurt am Main, September 2000
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| FrankreichDas Zusammenstellen
der französischen Daten wurde im Zeitraum zwischen Anfang Dezember und Ende Juli 2000
durchgeführt.
1. Initiativen
Die Recherchen nach spezifischen Initiativen für
ältere Frauen haben sich in Frankreich als nur sehr bedingt fruchtbringend erwiesen.
Es wurde anhand von Listen mit rund 200
Institutionen, NGOs, Vereinen etc. zunächst telephonisch Kontakt aufgenommen, um in einem
Vorgespräch festzustellen, ob dort für das Projekt geeignete Programme oder Aktionen
bestehen. Besagte Listen wurden hauptsächlich mit Hilfe der Datenbanken des CNIDFF (Centre
National dInformation et de Documentation des Femmes et des Familles) und des
sozialgerontologischen Zentrums CLEIRPPA (Centre de Liaison, dÉtude,
dInformation et de Recherche sur les Problèmes des Personnes Agées) erstellt.
Die kontaktierten Organisationen, Vereine etc. wurden bewusst sehr breit gestreut und
nicht auf die sozialgerontologische Domäne beschränkt: Frauenorganisationen,
feministische Organisationen, Interessenvertretungen der Frauen allgemein,
Interessenvertretungen der Frauen in den unterschiedlichen Kirchen, der Migrantinnen, der
Landfrauen, der Ehefrauen der Berufssoldaten und -offiziere, der Ehefrauen anderer
Berufssparten, der Witwen und Witwer, Interessenvertretungen älterer Menschen,
unterschiedliche Vereine für die Arbeitsmarkteingliederung von Frauen und Männern, für
Obdachlose, sowie mehrere regionale Niederlassungen des CNIDFF.
Nur in seltensten Fällen erhielten wir positive
Antworten, sodass die meisten telephonischen Vorgespräche das Versenden des Fragebogens,
der den Initiativen für Frauen im Alter von 50 Jahren und mehr vorbehalten war,
rechtfertigten.
Da jede französische Rentenzusatzkasse einen
Sozialfond zugunsten ihrer Mitglieder unterhalten muss, war die Annahme naheliegend, sie
führten spezielle Sozialprogramme für ihre älteren Mitglieder durch (1).
Diese Annahme konnte nicht bestätigt werden: offenbar gibt es seitens dieser Kassen keine
spezifischen Aktionsprogramme oder Initiativen für ältere/alte Frauen.
Hinsichtlich der Programme und Initiativen der
Niederlassungen auf Departements-Ebene des CNIDFF zeigte sich, dass sie zwar in ganz
Frankreich sowohl Programme als auch individuelle Beratung für Frauen durchführen, um
diesen bei der beruflichen Umorientierung und der Arbeitsplatzbeschaffung zu helfen, dass
jedoch die Anfragen nur sehr selten von älteren Frauen kommen.
Selbst die lokalen Vereine der FAVEC (2),
deren Zielgruppe verwitwete Personen sind, haben keine spezifischen Aktionen für Frauen.
Weiterhin haben wir uns nach informellen Gruppen
umgesehen - die in Deutschland oder Österreich z.B. unter dem Begriff Selbsthilfegruppen
laufen - , aber auch hier blieb unsere Suche erfolglos.
Generell kann festgehalten werden, dass es in
Frankreich zwar eine Vielfalt von Initiativen sowohl von und für Frauen als auch von und
für ältere Menschen gibt, nicht aber speziell für ältere Frauen: Diejenigen
Organisationen und Vereine, deren Zielgruppe Frauen sind, arbeiten nicht altersspezifisch,
und diejenigen, deren Zielgruppe ältere Menschen sind, sind nicht geschlechtsspezifisch
ausgerichtet.
Der begrenzte Erfolg unser Suche nach Initiativen
hat mehrere Gründe.
Wir haben grundsätzlich nur Initiativen
aufgenommen, die sich an Frauen im Alter von 50 Jahren und darüber wenden. Hinzu kommt,
dass wir dem Zeitplan entsprechend unsere Recherchen Ende Juni 2000 eingestellt und auch
nach der Sommerpause Anfang September nicht wieder aufgenommen haben.
Ein zweiter Grund für das
"relative Desinteresse" an älteren/alten Frauen mag darauf zurückzuführen
sein, dass eine der
ersten Determinanten ihrer Benachteiligungen Folge des Rentensystems ist: sämtliche
Benachteiligungen des Berufslebens (geschlechtsspezifische Ungleichheiten bei den
Löhne/Gehälter; Teilzeitarbeit; geschlechtsspezifisch unterschiedlich lange und
unterschiedlich häufige Arbeitsunterbrechungen aus familiären Gründen etc.) werden auf
die Rentenzeit übertragen und spiegeln sich in den Pensionen aus Altersgründen wider.
Aus unseren telephonischen Vorgesprächen klang eine gewisse Resignation als wäre es ein
im voraus verlorener Kampf, gegen das ansonsten sehr hochgeschätzte Rentensystem zu
kämpfen. Dahinter steht selbstverständlich auch das weiterhin bestehende Eigen- und
Fremdbild der Schwäche der älteren Menschen (Schwäche sozusagen per definitionem
oder "naturgegeben"), welches die Resignation bestärkt und Kampf ausschließt.
Eine weitere Erklärung mag in der französischen
Sozialpolitik liegen: die langjährige, erfolgreiche Altenpolitik (seit den 60er Jahren)
wurde von den sozialen Konsequenzen der Arbeitsmarktkrise verdrängt, was insofern als
gerechtfertigt angesehen werden kann, als global gesehen die materiellen Lebensbedingungen
(z.B. Einkommen und Wohnsituation) - auch der älteren Frauen - entscheidend verbessert
worden waren; die (belegte) Information geht immer wieder durch die Medien, global gesehen
läge das Durchschnittseinkommen der Altenbevölkerung über dem der französischen
Durchschnittsfamilie. Über Jahrzehnte hin zählte die Altenbevölkerung - auch für die
französische Sozialpolitik - zu den ersten, materiell am stärksten Benachteiligten; dank
der progressiven Verbesserungen einerseits und infolge der wachsenden, inzwischen sehr
hohe Arbeitslosigkeit andererseits ist diese soziale "Vorrangstellung" auf
andere Gruppen übergegangen.
Es gibt weitere Gründe: z.B. den
generellen Rückzug der feministischen Organisationen nach ihrer heißen Schaffensperiode
der 70ger Jahre; die generellen staatlichen Kostendämpfungsstrategien, die insbesondere (wenngleich nicht nur) die
kleinen Vereine treffen, die weitgehend von Staatsgeldern leb(t)en und demzufolge ihre
Aktivitäten, wenn nicht einschränken mussten, so zu mindest sie nicht ausdehnen können
(z.B. auf die Belange älterer Frauen, weil diese nicht zu den staatlichen
Prioritätsgruppen zählen); die Schwierigkeiten, ehrenamtliches Personal zu rekrutieren;
der Erfolg, keine geschlechtsdiskriminierenden Aktivitäten im Bereich der Altenhilfe
durchzuführen.
Das Ergebnis ist, dass Frankreich mit nur 15
Initiativen im Informationspool erscheint.
2. Literaturrecherchen - Forschungsergebnisse
Die Recherchen wurden hauptsächlich in der
seinerzeit noch größten sozialgerontologischen Fachbibliothek Frankreichs mit Hilfe
deren Datenbank durchgeführt (CLEIRPPA). Auch befragten wir dort verschiedene
wissenschaftliche Mitarbeiter über Literatur und Forschungsprojekte, die möglicherweise
nicht in der Bibliothek vorhanden sind. Zusätzlich dehnten wir unsere Recherche auf
Veröffentlichungen des INED (3) und der DREES (4) und
bestimmte Internet-Veröffentlichungen aus.
Das auffallendste Resultat dieser Recherchen ist der
im Vergleich zu anderen sozialgerontologischen Gebieten geringe Anteil an Literatur,
Forschungsarbeiten und Studien über ältere/alte Frauen sowie auch - im Gegensatz
insbesondere zum Vereinigten Königreich - das Fehlen feministischer Untersuchungen und
Veröffentlichungen. Letzteres wurde durch das erfolglose Suchen nach feministischen
Initiativen bestätigt (5).
Die behandelten Themenbereiche sind vielfältig:
Sexualität und Verführung, körperliche Fitness und psychisches Wohlbefinden, positives
Selbstbild, Witwenschaft, gesellschaftspolitische Errungenschaften der Frau, Austritt aus
dem Arbeitsmarkt/Übergang in den Ruhestand, soziologische und soziale Auswirkungen und
Bedeutung der stark gestiegenen Lebenserwartung auch in höherem Alter für das Leben
älterer/alter Frauen, Verbesserung der materiellen Situation, neue Verhalten infolge der
steigenden Anzahl alleinlebender Frauen, Gründe für die überhöhte
Sterbewahrscheinlichkeit Verwitweter, Rarität der Frauen in den politischen Instanzen
(sie sind von älteren Männern belegt), Gesundheit (insbesondere Menopause, Osteoporose
und Knochenbrüche, aber auch z.B. Schlafstörungen), um die häufigsten Bereiche zu
nennen.
Frankreich steht mit 53 inländischen Angaben
(andere frankophone Literatur und Forschungsarbeiten wurde systematisch ausgeschlossen) im
Netz (Artikel, Bücher, Dissertationen, Forschungsberichte, Konferenzberichte, Ratgeber
etc.) im Netz.
Dieser Teil der Recherche war aufgrund der
vorläufigen Schließung besagter Fachbibliothek bereits Ende Mai 2000 weitgehend
abgeschlossen.
3. Politische Programme
Frankreich steht mit 10 Programmen bzw.
Gesetzestexten im Netz. Diese beziehen sich vorrangig auf die Verbesserung der
finanziellen Situation.
Zu bemerken ist, dass die Gesetzgebung zur
Gleichberechtigung kaum noch erlaubt, geschlechtsspezifische Maßnahmen zu beschließen
oder zu belassen; so musste z.B. de jure die ursprünglich für Frauen geschaffene
Hinterbliebenenrente auf Männer ausgedehnt werden; de facto wird sie aber hauptsächlich
von Frauen bezogen (6).
Für die Recherchen bedienten wir uns oben genannter
Fachbibliothek, Internet-Seiten entsprechender Ministerien), der nationalen Tagespresse (Le
Monde) und der Fachpresse für die soziale Gesetzgebung.
4. Resumée der Rechercheerfahrungen
Weder die Problematik der älteren Frauen allgemein,
noch die der Chancengleichheit zwischen älteren Frauen und Männern insbesondere zählen
zu den aktuelles Themen: die sozialen Folgen der weiterhin herrschenden Arbeitsmarktkrise
haben sie in den Hintergrund treten lassen. Politische Maßnahmen und Initiativen seitens
der NGOs setzen eher bei den jüngeren Frauen an, z.B. mittels der Verbesserung ihrer
beruflichen Rahmenbedingungen. Dieses Vorgehen bezweckt allenfalls sekundär den Rückgang
der rentensystemgebundenen Benachteiligungen der älteren Frauen, die nichts anderes als
das Spiegelbild der Berufstätigkeit sind; da diese Maßnahmen und Aktionen aber an der
Ursache der Benachteiligungen der älteren/alten Frauen ansetzen, werden sie letztere
langfristig einschränken wenn nicht gar beheben.
Die relative Interesselosigkeit hinsichtlich der
älteren/alten Frauen findet eine weitere Erklärung in der Tatsache der allgemeinen
Verbesserung der materiellen Lebensbedingungen der Altenbevölkerung, die, insgesamt
gesehen, nicht mehr zu den benachteiligten Schichten zählt, auch wenn bestimmte Gruppen -
wie z.B. diejenigen älteren Frauen, die keine vollen Rentenansprüche erreichen und die
ehemaligen Landarbeiter - nur über unausreichende Einkommen verfügen.
Es gibt in Frankreich eine Vielzahl von Initiativen
von und für Frauen wie auch von und für ältere Menschen, aber spezifische Initiativen
zugunsten der älteren/alten Frauen sind offenbar Ausnahmen. Diejenigen Organisationen und
Vereine, deren Zielgruppe Frauen sind, arbeiten nicht altersspezifisch, und
diejenigen, deren Zielgruppe ältere Menschen sind, sind nicht geschlechtsspezifisch
ausgerichtet.
In der angewandten gerontologischen Forschung und
Literatur befasst sich eindeutig nur ein recht geringer Teil spezifisch mit Frauen, und im
Gegensatz zum Vereinigten Königreich, fehlt es gänzlich an feministischer,
gerontologischer Forschung.
En conclusion
Um den Prozess zugunsten effektiver
Chancengleichheit der älteren und alten Frauen zu beschleunigen, wäre es notwendig, dass
sowohl die Frauen- und feministischen Organisationen als auch die Organisationen und
Vertretungen der Altenbevölkerung allgemein die ältere/alte Frau mit ihren spezifischen
Belangen, die weitgehend Folge ihrer finanziellen Situation sind, entdecken.
Um die im Bereich der Renten wegen Alters zu
ungunsten bestehenden flagranten Ungleichheiten zu verringern, könnte man sich an einer
deutschen rentenpolitischen Maßnahme (Rentenreform von 1972) orientieren, die frühere
Lohndiskriminierung der Frauen nachträglich partiell auszugleicht (insbesondere
niedrigere Löhne und Gehälter als die der Männer): für Versicherte mit mindestens 25
anrechnungsfähigen Versicherungsjahren vor 1973 konnte die Bemessungsgrundlage u.U.
erhöht werden; diese Maßnahme verbessert entscheidend das Alterseinkommen der
Betroffenen.
Um ihre frauenspezifische Situation zu verändern,
müssten die älteren Frauen selbst aktiver werden; jedoch wie auch in anderen
europäischen Ländern fehlt ihnen eine entsprechende Lobby nach dem Vorbild derjenigen,
welche Frankreich seinerzeit im Kampf gegen die Diskriminierung der Frauen gekannt hat.
de senectute - H.
Jani-Le Bris
28.09.2000, Ville dAvray
1 Z.B. für Bezieherrinnen einer
Hinterbliebenenrente besagter Kassen.
2 Fédération des Associations de Conjoints survivants (Verband
der hinterbliebenen Ehepartner).
3 Institut Nationale dÉtudes Démograpiques (Nationales
Institut für demographische Untersuchungen).
4 Direction de la Recherche des Études de lÉvaluation et des
Statistiques (Leitung der Forschung für Evaluations-Untersuchungen und Statistik).
5 Diese Defizite mussten wir auch im Rahmen eines anderen
Forschungsprojektes feststellen: es war uns kaum möglich zulängliche Daten über die
Aktivitäten und Freizeitbeschäftigungen älterer/alter Frauen zu finden.
6 Ein anderes Beispiel ist, dass die FAVEC, unsere Partnerin in diesem
Projekt, bis vor einigen Jahren nur Witwen vertrat und sich auf "überlebende
Ehepartner" umstellen musste (incl. Namensänderung).
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| Österreich Bevor wir näher auf konkrete Erfahrungen und
Umstände der Recherche eingehen, möchten wir an den Anfang unseres Erfahrungsberichts
einige Zahlen stellen.
Im Verlauf des gesamten Projekts wurden 364
Vereine bzw. Organisationen schriftlich mit der Bitte um Mithilfe am Projekt kontaktiert.
45 schickten den ersten Antwortbogen zurück, entweder bereits mit der Bereitschaft den
Fragebogen auszufüllen oder mit der Bitte um weitere Informationen. Da wir diese
Rücklaufquote für zu gering erachteten, wurden fast alle jener Organisationen bzw.
Vereine, die auf unsere schriftliche Anfrage nicht reagierten, mindestens einmal
telephonisch kontaktiert.
Mit Stichtag 15.08.2000 haben wir von
insgesamt 26 Initiativen bzw. Organisationen einen ausgefüllten Fragebogen erhalten und
42 Literaturangaben erstellt. Unter der Rubrik Politische Programme erfolgten keine
Eintragungen (siehe unten).
1. Auf der Suche nach geeigneten Initiativen
bzw. Organisationen
Um eine möglichst große Bandbreite an
relevanten Organisationen zu erreichen, wurde sowohl auf die institutseigene Datenbank
zurückgegriffen, als auch auf Adressen im Internet und der in den Antwortbögen genannten
Kontaktpersonen. Neben den großen Interessensverbänden, den politischen Frauen- und
SeniorInnenbeauftragten und den öffentlichen Verwaltungen wurden so auch eine Menge
kleinerer Initiativen und Vereine erreicht.
Auffallend war speziell das Desinteresse bzw.
die mangelnde Sensibilität für die Thematik bei den größeren Frauen- und
Seniorenorganisationen. Eine Erklärung dafür ist vielleicht die Tatsache, dass in
Organisationen, welche die Interessen von Frauen vertreten, meist jüngere Frauen als
Entscheidungsträgerinnen fungieren, während sich auf den oberen Hierarchiestufen der
"SeniorInnenorganisationen" meist Männer befinden. Das heißt, jene
Organisationen, die sich aufgrund ihrer Größe und Mitgliederzahl ein Engagement (auch
von finanzieller Seite) leichter leisten könnten, zeigen nur wenig Interesse an dieser
Thematik bzw. hatten nach der im Herbst 1999 in Österreich stattgefundenen
Nationalratswahl andere Prioritäten. Eine Anzahl kleinerer Vereine bzw. Einzelpersonen
sprachen zwar von großem Interesse am Thema ältere Frauen, sie beklagen aber zugleich
den Mangel an finanziellen Ressourcen.
Grundsätzlich hatten aber auch Initiativen
bzw. Organisationen, die wir aufgrund ihrer Tätigkeit in unsere Datenbank aufgenommen
haben, Schwierigkeiten sich als Initiative zu bezeichnen, welche sich der Problematik
"Chancengleichheit für ältere Frauen" annimmt. Ein Grund dafür mag der
Umstand sein, dass die Bezeichnung "ältere Frau" oft negativ konnotiert ist,
und daher nur ungern verwendet wird.
2. Mangel an politischen Programmen in
Österreich
Ähnlich wie die Recherche bezüglich
politischer Programme in Deutschland war auch jene in Österreich nicht erfolgreich. Das
lässt sich einerseits durch die von der Projektleitung vorgegebenen Definition erklären,
die der Suche nach politischen Programmen im Projekt zugrunde gelegt wurde, wonach
einmalige Aktionen oder Veranstaltungen nicht dazu gezählt werden. Aktionen politischer
Akteure, wie z.B. ein Fachseminar zum Thema "Frauen werden älter" des
(mittlerweile aufgelösten) Frauenministeriums oder eine Kampagne 60+ des Frauenbüros der
Salzburger Landesregierung, finden sich aus diesem Grund bei der Sammlung der Initiativen
wieder.
Im Rahmen unserer Recherchen haben wir die
Erfahrung gemacht, dass es auf politischer und Verwaltungsebene sehr wenige systematische
oder längerfristige Maßnahmen in diesem Bereich gibt. Politische Maßnahmen zur
Förderung der Chancengleichheit von Frauen beschränken sich in Österreich in erster
Linie auf die Gleichbehandlung am Arbeitsmarkt und die dazugehörigen Themenbereiche
(Kinderbetreuung etc.). So erklärt es sich, dass sich große Interessensvertretungen, wie
z.B. die Arbeiterkammer oder der Gewerkschaftsbund, den Anliegen älterer Frauen wenig bis
gar keine Aufmerksamkeit widmen.
3. Literaturangaben zum Thema
"Ältere Frauen"
Wir haben insgesamt detaillierte Angaben zu
42 Büchern, Forschungsberichten und sonstigen schriftlichen Material erstellt. Zu dieser
großen Zahl hat nach anfänglichen Suchschwierigkeiten eine Änderung bei der Recherche
beitragen: Suchten wir am Anfang in Bibliotheken und im Internet nur nach vorwiegend
österreichischer Literatur zum Thema "Chancengleichheit älterer Frauen" und
waren mangels vorhandener Arbeiten in Österreich dementsprechend erfolglos, so
erleichterte sich die Suche, nachdem wir mit der Projektleitung vereinbart hatten, die
Suche auf deutschsprachige Literatur zum allgemeinen Thema "Ältere Frauen" zu
erweitern.
Auffallend am Ergebnis der Recherche ist der
große Anteil an Literatur zum Thema "Gesundheit". Aber auch eine Reihe
persönlicher Erfahrungsberichte zum Thema "Altern" sind im deutschsprachigen
Raum erschienen. Wissenschaftliche Studien, die sich mit der Situation älterer Frauen in
Österreich auseinandersetzen, sind hingegen nicht vorhanden, woraus sich auch ein Bedarf
an weiterer Forschung zu dieser Thematik schließen lässt.
4. Resumee der Rechercheerfahrungen
Allgemein konnten wir feststellen, dass wir
die kontaktierten Organisationen bzw. Initiativen mit unseren Fragen ziemlich
unvorbereitet getroffen haben. Die meisten größeren Organisationen widmen sich dieser
Problematik nicht gesondert, was sich möglicherweise aber auch durch eine Ablehnung einer
speziellen Behandlung von einzelnen Gruppierungen erklären lässt oder durch die
Sichtweise in Seniorenorganisationen, dass ohnehin der Großteil ihrer Mitglieder Frauen
seien und sie sich dadurch ausreichend um diese Personengruppe kümmern würden.
Trotz aller Schwierigkeiten bei der Suche
nach geeigneten Vereinen bzw. Organisationen, konnten wir schlußendlich 26 finden, die
sich der Thematik annehmen, und daher in die Datenbank aufgenommen wurden. Für ein Land
mit 8 Millionen EinwohnerInnen ist dies kein schlechter Ausgangspunkt.
Weiterhin haben wir auch zu Einzelpersonen
Kontakte geknüpft, die (noch) nicht organisiert, ebenfalls bereit wären sich in Zukunft
stärker zu engagieren. Zur Zeit fehlt es aber sowohl an Ressourcen als auch an einer
Vernetzung der einzelnen Initiativen. Der Versuch des (ehemaligen) Frauenministeriums,
diese Vernetzung zu unterstützen, ist nach zwei Veranstaltungen im letzten Jahr nicht
weitergeführt worden. Dies dürfte unter anderem mit den Umstrukturierungen in der
Österreichischen Regierung zusammenhängen.
Darüber hinaus darf man auch nicht
vergessen, dass es sich bei "den älteren Frauen" keineswegs um eine homogene
Gruppe handelt und daher auch die einzelnen VertreterInnen nicht zwingend die gleichen
Interessen vertreten.
Abschließend möchten wir feststellen, dass
die Recherche neben der Sammlung von Daten sicherlich auch dazu geführt hat, viele
Vereine und Organisationen, die sich bisher noch nicht gesondert mit der Thematik
auseinandergesetzt haben, für dieses Thema zu sensibilisieren. Die Gespräche mit
wichtigen EntscheidungsträgerInnen gaben jedenfalls Grund zur Annahme, dass sich eine
weitaus größere Anzahl als die schon erwähnten 26 Initiativen stärker mit der Thematik
auseinandersetzen würde, sollten dem Projekt "Chancengleichheit für ältere
Menschen" weitere Initiativen folgen. Aus diesem Grund erachten wir folgende Schritte
als besonders wichtig:
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Die Projektseite im Internet www.sophia-net.org müsste weiterhin betreut, und
mit neuen Daten aktualisiert werden, um in Zukunft als Plattform für interessierte Frauen
zu fungieren. |
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In Frankreich, Deutschland und
Österreich sollten Informationsveranstaltungen zur Internet-Seite stattfinden, welche
auch eine Möglichkeit der Vernetzung der einzelnen Initiativen bzw. Organisationen bieten
könnte. |
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Wissenschaftliche Studien zu
diesem Thema sind insbesondere in Österreich noch Mangelware. Das
vorliegende Projekt bietet sich als hervorragende Ausgangsbasis für Folgeprojekte an, da
wichtige Kontakte schon geknüpft wurden, ein Grundstock an vorhandenen Daten und
Literatur dadurch zugänglich gemacht wurde und ein breiteres Verständnis für die
Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit Initiativen zur Verbesserung der
Chancengleichheit älterer Frauen vorhanden sein dürfte. |
Michael Stadler-Vida, Charlotte Strümpel, Angela
Wenig
Europäisches Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung, Wien
September 2000
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